Über Kurs
Eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstruktur ist kein „schwieriger Charakter aus Trotz“, sondern ein stabiles Muster, wie ein Mensch mit Ärger, Druck und erlebter Fremdbestimmung umgeht. In diesem Einzelkurs lernen Sie, diese Struktur fachlich präzise zu erkennen und einzuordnen – ohne moralische Bewertung. Das zentrale Grundthema lautet: verdeckter Widerstand gegen Erwartungen und Kontrolle. Offenes Nein wird vermieden, stattdessen zeigen sich Verzögerung, „Missverständnisse“, Unschärfe und indirekte Sticheleien.
Sie erfahren, wie sich dieses Grundmotiv im Alltag zeigt:
– Denken: ambivalent, inneres „Ja, aber…“, erlebte Überforderung oder Ungerechtigkeit, misstrauisch gegenüber Autorität
– Verhalten: zustimmend an der Oberfläche, in der Umsetzung jedoch verzögernd, ausweichend, unzuverlässig wirkend
– Konfliktmuster: indirekte Botschaften, sarkastische Kommentare, scheinbare Versäumnisse, Rückzug statt offener Klärung
– ICD-10-Referenz: F60.8 (andere spezifische Persönlichkeitsstörungen) – im Kurs klar abgegrenzt von einem strukturellen, nicht-pathologisierenden Verständnis
Anhand typischer Situationen aus Führung, Teamarbeit, Beratung, Sozialarbeit und pädagogischen Kontexten wird sichtbar, warum Menschen mit passiv-aggressiver Struktur häufig als „unzuverlässig“, „bockig“ oder „nicht greifbar“ erlebt werden. Gleichzeitig werden die Ressourcen deutlich: Sensibilität für Druck und Überforderung im System, feines Gespür für unausgesprochene Spannungen, Fähigkeit zur indirekten Konfliktanzeige und Wunsch nach Autonomie und Mitgestaltung.
Sie erhalten einen klaren Kommunikationsleitfaden: Wie Sie vage Zusagen in überprüfbare Vereinbarungen übersetzen, ohne zu eskalieren; wie Sie verdeckten Ärger ansprechbar machen, ohne zu beschämen; und wie Sie Rahmen, Zuständigkeiten und Deadlines so setzen, dass weniger Ausweichbewegungen entstehen. Sie lernen Formulierungen, die Widerstand sichtbar machen, ohne ihn anzuheizen, und Vorgehensweisen, mit denen Sie Schritt für Schritt von indirektem Nein zu echter Kooperation kommen. Ein praxisnaher Test zur passiv-aggressiven Struktur unterstützt die direkte Anwendung im beruflichen Alltag.
Ziel dieses Einzelkurses: Sie sollen Menschen mit passiv-aggressiver Persönlichkeitsstruktur früher erkennen, ihre Muster fachlich einordnen und sie in Ihrem Kontext so führen oder begleiten können, dass weniger verdeckter Widerstand, Sabotage und Dauerkonflikte entstehen – und mehr Klarheit, Verlässlichkeit und transparente Zusammenarbeit möglich wird.
Kursinhalt
allgemeine Grundlagen & Rahmen
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1.1 Warum Persönlichkeitsstörungen kennen?
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1.2 ICD-10 (alt) – Überblick
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1.3 Cluster A, B, C – Merkhilfe
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1.4 Profacos-Übertrag